EdL-Schnupperkurs für Schüler und Studenten auf Schulponys vom Weidenhof

Updated: Jul 23, 2021

APPEL-Projekt von Gabriele Sobotta in Kooperation mit Andrea Walz, lizenzierte Reitlehrerin der Ecole de Légèreté, vom 29. bis 30. Mai 2021


Reiten in Leichtigkeit, aber wie?


Nach dem langen Lockdown Pausen durch die Corona Pandemie, sehnten sich alle Reitschüler wieder nach Unterricht und wollten richtig etwas lernen. So freuten wir uns, dass die Inzidenz-Zahlen endlich sanken und der Kurs dieses Jahr tatsächlich stattfinden durfte. Da wurde der angebotene Kurs mit 10 aktiv reitenden Jugendlichen u. jungen Erwachsenen im Alter von 10- 26 Jahren schnell voll. Doch auch für die Theorie-Einheit am Samstag meldeten sich zusätzlich nochmals 10 TN an. Mit so einer positiven Resonanz hatten wir, ehrlich gesagt, kaum gerechnet.


Andrea Walz unterrichtete die einzelnen Teilnehmer an beiden Kurstagen im Einzelunterricht. Sie nahmen auf den Schulponys des Weidenhofs von Gabriele Sobotta teil. Im Einsatz waren 3 Welsh-Mountain-Stuten, der Sektion A, 2 Welsh-Ponys-Stuten im Cob-Typ, der Sektion C und 2 Welsh Cob-Stuten, der Sektion D.

Andrea war positiv überrascht, wie gut die einzelnen Schüler, die dieses Mal alle vom Verein Pony- und Pferdesportfreunde Weidenhof e.V. stammten und bereits seit einigen Wochen oder Jahren regelmäßig bei Gabriele Unterricht nahmen, schon die Abkau- und Biegeübungen vom Boden und auch vom Pferd aus beherrschten. Auch die Ponys hatten sich weiterentwickelt und Fortschritte zum letzten Kurs gezeigt. Das Demi-arrêt war bei einigen jüngeren Reitern teilweise noch etwas ungenau und durch zeitweise verloren gegangenen Zügelkontakt nicht präzise genug, das richtige Gefühl dafür muss erst erlernt werden. Sehr schön zeigten alle die Konterbiegung und Wendungen mit anliegendem Zügel. Andere übten im Schritt die Seitengänge, wie Schulterherein. Bei einer noch recht jungen Ponystute, die ursprünglich aus schlechter Haltung kam und jetzt seit 2 Jahren hier unter dem Sattel geht, wurde auch das Aktion - Reaktion geübt, da sich diese Stute der Anlehnung entzieht, indem sie sich über den Zügel hinaushebt. Recht gut funktionierte auch bei vielen Reitschülern die Dehnungshaltung im Schritt und Trab.

Während der Theorie-Einheit nach der Mittagspause, erklärte Andrea zunächst die einzelnen Hilfen: Zügel-, Gewichts- und Schenkelhilfen. Um diese den Kindern und Jugendlichen verständlicher zu machen, wurden diese entweder am Holzpferd erklärt oder auch durch die TN in Partnerübungen ausprobiert und erfühlt, was Gabriele den Kindern dann zeigte und durchführen ließ. Bei der Erklärung zum Demi-arrêt gab es dann doch für fast alle einen AHA-Effekt, weil festgestellt wurde, dass dieser Begriff: Demi-arrêt, das lebhafte Anheben beider Zügel-Hände, die Einwirkung der Trense in den Maulwinkeln und das Anheben des Genicks zwar eine Vorbereitung zum Übergang von einer in die andere Gang Art ist, aber es keinen eigenen Begriff (bzw. sie ihn nicht kennt) zum Langsamer werden, also dem Bremsen, dem Zügelfäuste schließen gibt. Das Anhalten wird dann als Arrêt bezeichnet.


Als praktische Übung durften nun vor allem diejenigen, die in diesem Kurs noch nicht als reitende Teilnehmer dabei waren, in Partnerübungen die Trense mit der Hand halten und fühlen, wenn der Partner daran am Zügel rückwärts zog, nach unten drückte oder eher nach oben hob. Auch das Gefühl zur Dehnungshaltung am Zügel wurde mit Hilfe von Gymnastikbändern und Haushalsgummis simuliert.


Um die Gewichtshilfen eindeutiger erklären zu können, zeigten wiederum Paare im Huckepack, wie der Partner „Pferd“ automatisch aus dem Geleichgewicht kommt und in die entsprechende Richtung laufen muss, wenn sich der oben sitzende Reiter in eine Richtung vermehrt herüberhängt.

Bei den treibenden Schenkelhilfen gab es heftige Diskussionen, ob es wirklich besser ist, mit beiden Beinen einen Impuls zu geben und dann die Schenkelhilfe auszusetzen oder lieber kontinuierlich mit den Waden im Schritt abwechselnd zu treiben. Aber das Pferd stumpft dabei ab, es reagiert dann irgendwann nicht mehr. Der treibende Impuls, unterstützt mit der Gerte, ist einprägsamer für das Pferd. Dabei muss, so erklärte Andrea wieder, natürlich darauf geachtet werden, dass nicht gleichzeitig am Zügel eingewirkt wird. Also immer nach Baucher:“ Hand ohne Bein, Bein ohne Hand.“ Dieses wurde mit dem Beispiel des Radfahrers erklärt, der auch nie bremsen wird, wenn er gleichzeitig in die Pedale tritt.

Am Sonntag wurde die Theorie-Einheit als allgemeine Frage-Antwort Stunde gestaltet. So kamen Fragen auf, warum das Pferd überhaupt mit gerundetem Genick, also in Beizäumung geritten werden soll, was Andrea damit erklärte, dass es dabei im natürlichen Gleichgewicht ist und den Rücken aufwölben kann, mit dem es die Last des Reiters besser tragen kann als mit einem durchhängenden Rücken. Auch zur Dehnungshaltung kamen Fragen, ob es nicht schädlich sei, wenn das Pferd in dieser Haltung gehen würde. Andere meinten wiederum, dass es doch für das Pferd angenehm sei und es viel öfter so gehen könnte. Dazu meinte Andrea, dass es sinnvoll sei, dass Pferd ab und zu dehnen zu lassen, aber dieses nie zu lange in Dehnungshaltung gehen sollte, da es die Vorhand belaste. Die Muskulatur würde durch verschiedene Positionen des Halses effektiver trainiert.

So haben alle Teilnehmer eine Menge gelernt, aber man war sich einig, dass man immer, wenn man meint, jetzt hat man alles verstanden, plötzlich feststellt, dass man noch fast gar nichts weiß.


Text und Fotos: Gabriele Sobotta, APPEL-Mitglied


Anmerkung: APPEL hat das Projekt finanziell unterstützt. Gabriele, vielen Dank für Deinen Bericht!

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