Behind the Scenes – die Ecole de Légèreté auf der EQUITANA 2019 in EssenHansePferd

Seit Gründung des Fördervereins der Ecole de Légèreté kann APPEL auf eine Vielzahl von Messeteilnahmen zurückblicken. Messen wie die HansePferd in Hamburg (Deutschland) oder die Fieracavalli in Verona (Italien) haben bereits seit Jahren einen festen Platz in der Projekt- und Budgetplanung von APPEL.


Allerdings ist Messe nicht gleich Messe. Die Weltmesse EQUITANA in Essen (Deutschland) – auch „Mutter aller Pferdemessen“ genannt – feierte vom 13. bis 21. März 2019 ihren 25. Geburtstag. Bekannte Ausbilder und Reiter wie Ingrid Klimke, Monty Roberts und Linda Tellington-Jones wurden erwartet. Natürlich gibt es wegen der starken kommerziellen Ausrichtung der EQUITANA auch Kritiker, die eine Teilnahme mit Skepsis sehen. Allerdings sind sich alle darin einig, dass diese Messe die größte internationale Plattform im Pferdesport bietet.



Bereits 2015 und 2017 hatte sich die Ecole de Légèreté im kleineren Rahmen auf der EQUITANA vorgestellt. Aber eine Teilnahme am Tagesprogramm über alle neun Messetage hatte es noch nicht gegeben. Für die Ecole de Légèreté war das ein finanziell bislang nicht realisierbares Etappenziel.


Dank wachsender Mitgliederzahlen und des damit zur Verfügung stehenden Deutschland-Budgets konnte der Vorstand von APPEL Ende 2018 die Teilnahme an der EQUITANA 2019 im großen Rahmen beschließen.


Natürlich reicht Geld allein nicht aus, um eine neun Tage dauernde Weltmesse erfolgreich zu stemmen. Man braucht viel Messe-Knowhow, ein gutes und funktionierendes Team sowie natürlich Reiter und Pferde, die die Ecole de Légèreté professionell präsentieren. Und einen Philippe Karl ... Freundlicherweise hatte Herr Karl seine Teilnahme mit seinem Hannoveraner-Wallach High Noon für die EQUITANA 2019 zugesagt.


Für die Planung einer Messeteilnahme dieser Größenordnung brauchen die Organisatoren starke Nerven. Vieles ist zu bedenken. Das Wichtigste: die Präsentationen in den Ringen. Hier sind Ausdauer und Verhandlungsgeschick gefragt – und ein guter Draht zur Messeleitung. Als die Zeitpläne fertig waren – natürlich wurden die Auftrittszeiten bis zur letzten Sekunde hin- und hergeschoben –, staunte selbst das Messeteam um Antje Matthes, Sonja Hellwig, Sophie Horstmann, Sabine Mosen, Ilka Flegel sowie Bea Borelle und Philippe Karl: 52 Programmpunkte in neun Tagen! Eine echte Herausforderung – aber auch eine große Chance für die Ecole de Légèreté.


Da kein Reiter und vor allem kein Pferd überfordert und neun Tage lang dem Messestress ausgesetzt werden sollte, wurden zwei Gruppen gebildet.


Unter der Leitung von Sabine Mosen, Master Instructor der Ecole de Légèreté, starteten am Samstag, den 9. März, Sonja Hellwig mit PRE-Hengst Hercules Cen, Bettina Lanowy mit Haflinger-Wallach Mirco, Sarah Rob mit Westfalen-Stute Fee und David Scheer mit Sachsen-Anhaltiner-Wallach Danny.




Ab Donnerstag, den 14. März, übernahm die zweite Reitergruppe unter der Leitung von Philippe Karl: Bea Borelle aus Frankreich mit Trakehner-Stute Skamilla, Irene Boss mit Connemara-Wallach George, Hanna und Christiane Horstmann mit Lusitano-Hengst Uriel, Katja Lauer mit Westfalen-Wallach Ibu, Bertrand Ravoux aus Frankreich mit Selle-Français-Wallach Santic de Linganab, Barbara Stübenrath mit Noriker-Wallach Moses und Anna Wallén aus Schweden mit Lusitano-Hengst Que Halo. Unterstützt wurde Philippe Karl von seiner Frau Bea Borelle und Sabine Mosen, beide Master Intructor der Ecole de Légèreté.





Besonders wichtig war dem Messeteam die Präsenz der Ecole de Légèreté mit einem ansprechenden, zentral in der Ausbildungshalle gelegenen Messestand. Dank der Messeleitung konnte APPEL einen optimalen Standort direkt am Hauptgang der Halle 6 vor dem Tribünenring buchen. Da der Bau eines Messestands durch eine Fremdfirma wegen der hohen Kosten nicht infrage kam, wurde der Messestand bereits Wochen vor der EQUITANA in Eigenregie geplant, gefertigt und probeweise aufgebaut. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden.




Neun Tage können eine lange Zeit mit unerwarteten Ereignissen werden. Bereits am ersten Tag hatte ein ungebetener Gast die EQUITANA voll im Griff. Orkan „Eberhard“ wütete mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern über Essen und sorgte für extrem viel Wirbel. Weitere Sturmtiefs und nahezu tägliche Unwetterwarnungen folgten.


Die Stallzelte wurden zu einem echten Sicherheitsproblem und standen sogar kurz vor der Evakuierung. Extrem betroffen war das Hengstzelt, in dem das Wasser als Bach durch die Boxen floss. Die EQUITANA-Leitung stellte täglich neue Späne zur Verfügung. Der Orkan sorgte für eine extreme Geräuschkulisse, die den Pferden Stress verursachte. Um die Zelte zu sichern, wurden sämtliche LKWs mobilisiert und als Windschutz um die Stallzelte herum positioniert. Die Abreitezelte waren aufgrund des Orkans kaum zu benutzen. Die Planen schlugen in das Zelt und rissen teilweise. Selbst der Weg von den Stallzelten zu den Messehallen wurde zu einem Abenteuer.


Dagegen waren kleine Überraschungen wie ein am Morgen um das Hengstzelt herum mit 16 Stuten trainierender Lorenzo auf seinem Einrad schon eher lustig. Allerdings nicht für die Hengste ...

Einen Schrecken jagte Philippe Karl dem Messeteam ein, als er am Freitag morgen – einen Tag vor seinem ersten Auftritt in der großen Showarena – vor Schmerzen gekrümmt am Messestand saß und kaum mehr aufstehen, geschweige denn laufen oder gar reiten konnte. Die hilfreichen Sanitäter brachten ihn schleunigst per Krankenwagen in die Klinik, wo sich zum Glück herausstellte, dass er sich zwar einen starken Hexenschuss, aber keinen ernsthaften Schaden an der Wirbelsäule zugezogen hatte. Dank der heilenden Hände von Physiotherapeutin und Ecole de Légèreté-Schülerin Hanna Scheper konnte Herr Karl bereits am nächsten Tag wieder im Standpunkt.Pferd auf der Bühne stehen, Zuschauerfragen beantworten und am Messestand Autogramme geben. An einen Auftritt mit High Noon war allerdings nicht zu denken. Kurzerhand improvisierte das Reiterteam einen Ersatzauftritt, der trotz mangelnder Vorbereitungszeit sehr erfolgreich verlief und bei den Zuschauern auf den Rängen der Showarena an den beiden letzten Messetagen großen Anklang fand.



Ein großes Lob allen Beteiligten für ihr Engagement sowie ihre Professionalität, Flexibilität, Improvisationskunst und starken Nerven selbst unter widrigen Umständen!


Das Fazit nach neun Tagen EQUITANA:


  • Tolle und hochkarätige Präsentationen aller Reiter und Pferde im Tribünenring, in den Trainingsringen und in der großen Showarena.

  • Ein – trotz Schmerzen – souveräner und immer ansprechbarer Philippe Karl.

  • Zwei kompetente und engagierte Master Instructoren: Sabine Mosen und Bea Borelle.

  • Ein High Noon, der sich wahrscheinlich gefragt hat, warum er zum Möhrenessen quer durch Europa fahren musste.

  • Interessante und anregende Gespräche mit vielen interessierten Messebesuchern an den Ringen und am Messestand.