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Erster OPEN DAY der Ecole de Légèreté in Deutschland und die Hintergründe


Gewagt – gebangt – gezittert – gewonnen


Ein Wagnis war es, ein hohes finanzielles Risiko, es erforderte professionelle Koordination – und das aus dem Stand heraus, denn das Event in Alsfeld war eine Premiere. „Ich hatte den Plan schon vor zwei Jahren. Ich dachte, wir als Ecole de Légèreté müssen mehr Präsenz zeigen, wir müssen mal wieder ins Rampenlicht“, sagt Andrea Walz, die in Pegestorf bei einem Glas Wein versuchte, ähnlich gesonnene Mitstreiterinnen ins Boot zu holen – und Erfolg hatte: Sabine Mosen, Irene Boss, Susanne Buck-Wegener bildeten das Organisationsteam. Andrea Walz entschied sich für das Pferdezentrum des Hannoveraner Verbandes, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte.


Natürlich musste Philippe Karl zusagen: Er war mit High Noon das „Zugpferd“. Für High Noon war es der zweite öffentliche Auftritt nach der Hansepferd in Hamburg im April 2018. Er ist jetzt so weit, die Philosophie und das Ausbildungskonzept, auf dem die Ecole de Légèreté basiert, auf vollendete Weise demonstrieren und Menschen begeistern zu können.


„Das ganze Gerede von der hohen Hand, das ganze Sektiererische“ sollte mit dieser Vorstellung einmal mehr entkräftet werden, so die Hoffnung von Andrea Walz. Sie schrieb alle Reitlehrer und Auszubildenden der Ecole de Légèreté an und bat um Mithilfe. Am Ende war es eine Crew von 40 Helfern, inklusive der unermüdlichen Aktiven des Fördervereins APPEL um Antje Matthes und Sonja Hellwig. Der Förderverein hat inzwischen 300 Mitglieder aus 15 Ländern

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Während Peter Assman das Mischpult bediente und im Vorfeld die Musik zusammengestellt hatte, schwang Pedra Funke beständig den Mistboy und Irene Boss und Sabine Mosen (durch Krankheit geschwächt, dennoch am Start!) teilten sich das Mikro. Sie leiteten gekonnt durch die Programmpunkte. Susanne Buck-Wegener hatte im Hintergrund für Logistik, Koordination mit APPEL und die Presse gesorgt. Dolmetscherin Ilka Flegel, wie immer an der Seite von Philippe Karl, erhielt in Alsfeld von ihm einen neuen Titel: „You are my noisy shadow“ – ein liebevoller Scherz, den man aber nicht übersetzen sollte.


Durch einen spontanen Aufruf von Bea Borelle beim Event zeigte sich, dass rund 15 Prozent der Zuschauer an diesem Tag zum ersten Mal Kontakt zur Légèreté hatten. Es wäre schön, wenn sich dieser Prozentsatz bei einer weiteren Veranstaltung noch vergrößern ließe. Anne Rühl, eine Schülerin von Andrea Walz, hatte Urlaub genommen, um sich um die Stallarbeit zu kümmern. Chapeau! Weitere Schüler halfen mit – letztlich auch die, die in der Halle ihr Können zeigten: Juliane Dreikorn, Lena Döring, Hanna Horstmann, Meira Sattler und Ricarda Schipper – eine wahrlich bunt zusammengewürfelte Truppe, die sich am Tag vor dem Event erst zusammenfinden musste: Da überfiel so manch einen das große Zittern ...


Am Ende waren alle begeistert und fuhren euphorisiert nach Hause. „Ich würde es sofort wieder machen. Unsere Ziele wurden erreicht: Wir haben die Légèreté ins Rampenlicht gerückt und den Zusammenhalt in unserer Gruppe gestärkt“, zog Andrea Walz Fazit. „Dank der tollen Arbeit unserer ehrenamtlichen Fotografinnen, Natalie Drees, Claudia Schipper und Meike Wix, sowie des Kameramanns Philipp Seifert haben wir jetzt wunderschönes Dokumentationsmaterial von unserem Event, das wir weiterverbreiten können.“


Welch ein Aufwand für jeden Einzelnen hinter diesem Event steckt, zeigen auch die Orte, aus denen die Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden anreisten. Da war zum Beispiel Veronika Perwo aus Quickborn bei Hamburg, sie hatte mit über 400 Kilometern den weitesten Weg. Um die 300 Kilometer (mit Hänger gefühlt doppelt so weit, wie man weiß!) mussten Bettina Lanowy (Würselen), Katja Lauer (Berg/Oberpfalz) und Barbara Stübenrath (Leinfelden) bewältigen. Dies alles natürlich nicht zu vergleichen mit High Noon und Pony Ben, die ungefähr für 950 Kilometer im Hänger standen. Philippe Karl und Bea Borelle hatten die Pferde selber gefahren.


Einige Eindrücke aus den Vorstellungen: Vorbildlich demonstrierten Susanne Buck-Wegner mit ihrer Hannoveranerstute Debbi und Katja Lauer mit ihrem Westfalenwallach Ibo, unter Anleitung von Andrea Walz, die Basisarbeit an der Longe, mit abschließendem Springen über eine Kombination. Von Moderatorin Irene Boss bestens erläutert, zeigten Bettina Lanowy, Veronika Perwo, Sonja Sattler und Mira Semelka zum Thema Flexibilität einzelne Ausbildungsschritte im Sattel. Boss bezog sich immer wieder auf das „magische Dreieck“ der Ausbildung in Légèreté: Gleichgewicht, Impulsion und Entspannung. Es war schön anzusehen, wie geschmeidig Veronika Perwo ihre Trakehnerstute und Sonja Sattler ihren Connemarawallach ausgebildet hatten.


Master-Instruktorin Sabine Mosen erklärte bei der nächsten Vorstellung dem Publikum das Thema Mobilität, d.h. Seitengänge und komplexere Übergänge, demonstriert von David Scheer (der wegen lahmendem Pferd leider früher ausscheiden musste), Christiane Horstmann und Sarah Rob. Immer wieder wurden die Pferde in die Dehnungshaltung entlassen – eine Pflichtübung, egal wie fortgeschritten das Pferd ist. „Sie zeigt, ob man auf dem richtigen Weg ist“, erklärte Sabine Mosen.


Der Schwierigkeitsgrad steigerte sich im Laufe des Nachmittags: Übungen zur Versammlung zeigten Christiane Horstmann, Katja Lauer, Tamina Pinent und Barabara Stübenrath. Sonderapplaus vom Publikum heimste unter anderem Barbara Stübenrath mit Moses (10) ein, der sicherlich 900 Kilo auf die Waage bringt. Der Noriker sollte zum Schlachter – er zeigte Piaffen, spanischen Schritt und Passagen so federnd, als hätte er irgendwo Flügel eingebaut! Auch Katja Lauer wurde für ihre Vorführung mit dem eleganten Westfalenwallach Ibo – vor allem die Passagen waren grandios! – häufig bejubelt. Christiane Horstmann schließlich führte die schönsten Piaffen und Pirouetten vor – ihr Lusitano Uriel ist 18 Jahre alt! Tamina Pinents Iberer Eomer (16) zeigte Anfänge der Piaffe, auch er war wie Moses ein „abgeschriebenes“ Pferd und jetzt zum Glück in beste Hände geraten – und auf dem besten Weg.


Dann war es Zeit für die „Kirsche auf der Torte“ (wie Andrea Walz die beiden ankündigte): Philippe Karl und seinen Hannoveranerwallach High Noon.


Text: Gabriele Krüper

Fotos: Claudia Schipper & Meike Wix & Natalie Drees


Von links: Sabine Mosen, Susanne Buck-Wegener, Andrea Walz, Irene Boss


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